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Bus fahren

  • Feb. 6th, 2008 at 5:00 PM
Man hat ja schon einiges ueber lateinamerikanische Busse gehoert und so eine Busreise kann wirklich lustig sein. Geht schon mal mit der Dekoration los. Meistens ist ja Jesus allgegenwaertig. Schoen fand ich aber auch folgende Aufkleber: "Hier ist alles toll, der Bus, der Fahrer, die Musik!" "Nicht spucken" Und auf einem Bus stand hinten drauf: "Finanziert von Gott" An den Fenstern haengen Gardinen und um die Lampen rote Puschel. Ansonsten sind es manchmal ziemliche Klapperkisten, bei grossen Strecken geht's aber meistens. Die Musik ist salsalastig, die Filmauswahl reicht von Action-Knaller bis Horror-C-Movie. Bei kleineren Strecken muss man auch schon mal gedraengt stehen, aber: Neben einem ausgepraegtem Machismus herrscht auch noch ein ausgepraegtes Kavalierstum. Das heisst, wenn jemand aussteigt, bleiben alle Maenner stehen und die Frau kann den freien Platz besetzen. Wenn eine schwangere Frau kommt oder eine mit Kind im Arm, springt sofort jemand auf. Hat auch was.

Paerchenurlaub

  • Feb. 6th, 2008 at 4:25 PM
Karneval ist hier Feiertag und so haben wir wie halb Ecuador das lange Wochenende genutzt, um an den Strand zu fahren. Freitag Mittag ging's schon mal sehr ecuadorianisch los, als wir naemlich im Laufschritt am Busbahnhof ankamen, eine Minute bevor der Bus (mit 5 Minuten Verspaetung...)losfuhr, wo Frederik und Nadine schon mit den Tickets auf uns warteten. Die eigentlich 8-stuendige Fahrt an die Kueste dauerte am Ende wegen Erdrutschen 13 Stunden, so dass wir mitten in der Nacht nur noch todmuede ins naechstbeste Hostal einfielen. Am naechsten Morgen ging's dann nach einem typischen Kuesten-Fruehstueck (Kalte Fischsuppe mit viel Limone, Tomate und Zwiebeln) weiter nach Sueden, wo wir eigentlich hinwollten. Nach drei Stunden im Hoellenbus sind wir aber vor lauter Ungeduld schon vor'm eigentlichen Ziel ausgestiegen, was dazu fuehrte, dass wir schliesslich in einem 100-Seelen-Dorf mit ganzen 5 Hotelzimmern landeten. Sehr schoen war das, der Strand leer, die Leute supernett und das Wetter (zumindest tagsueber) toll. (So toll, dass Paúl und ich den zweiten Tag Domino spielend im Zimmer verbringen mussten, weil wir uns den Sonnenbrand des Jahrzehnts zugezogen hatten.) Am ersten Abend waren wir grad frisch geduscht auf der Suche nach Frederik und Nadine, die wir dann froehlich schwatzend mit einem Fischer und einem Strassenbauer in der Dorfkneipe (also auf der Strasse vor dem Laden, wo Bier verkauft wird) fanden. Die erste Nacht war dann etwas aufregend, weil es bei den beiden mitten ins Bett regnete und sie auf der Terasse Zuflucht nehmen mussten. Am naechsten Tag wechselten wir Zimmer und alles war gut. Haben die Tage eigentlich nur mit schlafen, leckerem Essen, in den meterhohen Wellen planschen und Bier trinken verbracht. (Hab ich was vergessen?) Naja, jedenfalls war es schoen, mal nicht nur als geldschleudernder Gringo gesehen zu werden, sondern einfach nette Menschen zu treffen. Ach ja, und so sind wir auch dem schlimmsten Karnevalsschreck entkommen. Hier wird man naemlich zu jeder sich bietenden Gelegenheit mit Wassereimern oder Mehl beworfen. In "unserem" Dorf beschraenkte sich unsere Teilnahme an diesem Spass auf eine Wasserpistolenschlacht mit einem Dreijaehrigen, waehrend wir gemuetlich beim Fruehstueck sassen.

Aaargh!!!

  • Jan. 7th, 2008 at 7:05 PM
In diesem Land kriegt man ja nie ausfuehrliche Informationen, am wenigsten von Behoerden. Mein Visum laeuft in zwei Wochen aus und ich kann es nicht weiter verlaengern. Also zum Auslaenderministerium und gefragt, was soll ich tun? Die Antwort war: Entweder ein anderes Visum beantragen, das kostet 60 Dollar, oder nach Kolumbien ausreisen. Dachte ich mir, Kolumbien ist billiger. Also haben wir einen Wochenendausflug an die Grenze gemacht. War auch trotz Befuerchtungen (Paúl wollte mich auf keinen Fall alleine fahren lassen) nicht schlimm, keiner wollte uns noetigen, Drogen zu schmuggeln und auch sonst war alles ruhig ;-) An der Grenze selbst war es dann ein bisschen aufregend, weil ich mein Einreisepapier verbummelt habe, das man eigentlich immer braucht, wenn man ausreisen will. Hat aber niemand sehen wollen. Auf kolumbianischer Seite war grad Karneval, was aber aus unserer Sicht nur hiess, das in den Strassen Mehl-, Schaum- und Farbkrieg war. Sind aber mit nur einer Schaumladung auf der Jacke entkommen und hben sogar noch ein Hotel gefunden. Als der Portier auf unsere Frage, ob er noch Zimmer hat, antwortete: Zum Uebernachten? haben wir uns noch nix weiter gedacht. Als aber die anderen Gaeste im Stundentakt kamen und gingen, mussten wir schon ein bisschen lachen. Naja, am naechsten tag wieder an der Grenze, damit die mir ein neues Touristenvisum geben. Nix war, ich haette in Kolumbien auf dem Konsulat eins kaufen muessen... War aber Sonntag. Haette uns das mal jemand vorher gesagt. naja, da das Geld alle war und wir aus Vorsichtsmassnahme keine Kreditkarte mithatten, blieb nur die Rueckreise. Also heute wieder aufs Ministerium. Diesmal meinte die gleiche Frau vom ersten Mal: Sie koennen ein Visum beantragen, das kostet 500 Dollar. (!!!) Pfff, die Strafe fuer illegalen Aufenthalt ist 200 Dollar, da faellt die Wahl nicht schwer...

Und Silvester geht so:

  • Jan. 7th, 2008 at 6:52 PM
Silvester ist hier zugegebenermassen etwas lustiger als bei uns. Einen Haufen verrueckter Traditionen gibt es und mir wurden alle live vorgefuehrt. Zuersteinmal werden Figuren gebaut, aus alten Klamotten und mit Papier ausgestopft, die Masken von meistens unbeliebten Politikern bekommen. Die symbolisieren das alte Jahr. Diese Figuren werden am 31. vor die Tuer gesetzt und bekommen ein haus aus Eukalyptusaesten (obwohl das mittlerweile aus irgendeinem Grund verboten ist.) Es gibt sogar Wettbewerbe, wer die schoenste, tollste, lustigste, groesste ... baut. Jedenfalls wird das alte Jahr dann um Mitternacht verbrannt, waehrend man 12 Weintrauben isst, und solchen Klimbim macht. Noch besser hat mir aber eine andere Tradition gefallen: Man stellt sich an die Strasse, sperrt mit einem Seil ab und laesst die Leute erst durch, wenn sie einem Geld gegeben haben. Der Witz ist aber folgender: die Maenner verkleiden sich als Witwen (das alte Jahr wird ja verbrannt) und machen die Bettelei (die Verkleidungen aehneln aber meistens verwitweten Prostituierten...). Wir hatten gluecklicherweise Orlando dabei, der ist Schauspieler und hatte eine Riesenspass, die Fahrer zu verwirren. Selten so gelacht. Woher diese Tradition kommt, wuesste ich auch mal gerne. Meine Theorie ist ja, dass im homophoben Lateinamerika irgendeine Moeglichkeit gefunden werden musste, sich mal mit sowas auseinanderzusetzen bzw. auszuleben. Jedenfalls gab's dann nach Mitternacht zu meiner Freude wieder ein Riesen-Familien-Mahl, das eigentlich eine Wiederholung von Weihnachten (Truthahn und so) war. Und um eins sind wir dann tot ins Bett gefallen, weil wir schon nachmittags angefangen hatten, mit Freunden Bier zu trinken. So war das 2007.

P.S.

  • Dec. 25th, 2007 at 6:08 PM
Um mal ein bisschen Neid zu wecken: Ich ess jetzt fast taeglich zuckersuesse Erdbeeren und wir kriegen Mangos grad dutzendweise geschenkt, weil Saison ist. So.

Weihnachten

  • Dec. 25th, 2007 at 5:56 PM
... ist hier ein bisschen anders, klar. Sind wir also gestern Abend zu Paúls Familie gefahren, wo schon alle (3 Onkel und Tanten, die dazugehoerigen Kinder, Oma...) aufgeregt um den grossen Baum sassen und sehnsuechtig auf die Geschenke starrten. Eigentlich ist ja erst gegen 22 Uhr Bescherung, da der Onkel aber nicht warten konnte, bis seine Kinder die Rennautobahn und die Roboter und ferngesteuerten Autos auspacken, ging's schon eher los... Spaeter gab's dann den traditionellen Truthahn, den wir ganz untraditionell schon vor Mitternacht angeschnitten haben, weil sowieso schon alle heimlich in der Kueche ein Stueck "gekostet" hatten. Ganz anders geht's dann aber am 25. zu. Wir wurden heute von einer Band geweckt, die nennen wir es mal Latino-Blasmusik gespielt haben (diejenigen, die bei den Fiestas de Guápulo dabei waren, haben eine ungefaehre Vorstellung...). Als wir dann aber vor der Tuer geguckt haben, tanzten da lauter Clowns vor der Band rum. Ein paar Stunden spaeter war dann der ganze Stadtteil dabei und betrunken. Und morgen ist dann der ganze Spass vorbei, kein Feiertag und nuescht.

Ich kann joggen!!!

  • Dec. 10th, 2007 at 6:14 PM
Vor knapp zwei Wochen waren wir am Strand, Miriam und Beate besuchen. Die wohnen in einem kleinen Nest und haben dort ein ganz anderes "Praktikumserlebnis" als ich. Ein Haeuschen ohne fliessend Wasser (das wird in Tonnen geliefert), alle Dorfbewohner kennen sie schon und wenn eine krank ist, stehen gleich die Nachbarn vor der Tuer um zu sehen, wie's ihnen geht. Also hatten wir drei Tage Strandurlaub, haben Meerestiere geschlemmt (Krebssuppe und so, alles ganz normal), im Meer geplanscht und waren am Strand joggen. Und anders als in Quito, wo mir nach 5 Monaten immer noch das Herz rast, wenn ich zwei Stockwerke Treppen steigen muss, ging das sehr gut. Bei einem Strandspaziergang gab's eine tote Riesenschildkroete und einen toten Delfin zu "bestaunen" und tausende kleiner Krebse, die aber immer sehr schnell gefluechtet sind. Einen Abend waren wir in der naechstgroesseren Stadt, die aber eigentlich ein Surfer-Touristenort ist, mit allem, was dazugehoert. In einer Bar waren sie so einfallsreich, folgende Aktion anzubieten: Frauen trinken einen Cocktail umsonst, ab dann gibt's drei zum Preis von einem. So waren wir mit unseren 6 Cocktails fuer 3 Dollar sehr zufrieden und lustig. Jetzt wieder zurueck in Quito bin ich grad ziemlich auf Trab. Nicht mal in den Muellkippenkindergarten hab ich es in letzter Zeit geschafft, obwohl dort Hilfe dringend noetig ist. Eine Frau kuemmert sich um bis zu 15 Babys, keine Ahnung, wie die das schafft. Macht aber Spass, dort zu arbeiten, auch wenn es manchmal schwierig ist, wenn alle schreien und man nur zwei Arme hat. Niemals Drillinge, soviel ist sicher!

Alltag in Quito

  • Nov. 15th, 2007 at 7:19 PM
Seit gestern ist Christine weg und damit irgendwie auch offiziell der ASA-Teil meines Aufenthalts abgeschlossen. Jetzt muss ich mir ueberlegen, wie ich die restliche Zeit rumkriege. Ab Dienstag werde ich wohl anfangen, auf der Muellkippe zu arbeiten. (Cool, so ein Satz!) Es gibt hier eine riesige Anlage, wo sehr viele Menschen damit beschaeftigt sind, aus dem gesamten Muell Quitos (man beachte, hier wird nicht getrennt!) die verwertbaren Sachen rauszusuchen. Fuer deren Kinder wurde vor ein paar jahren eine Art Kindergarten/Schule errichtet, damit die nicht auch tagsueber die ganze Zeit in den Muellbergen verbringen muessen. Diese Einrichtung ist allerdings hoffnungslos unterbesetzt und so hoffe ich, dort wenigstens ein bisschen helfen zu koennen. Ansonsten mache ich weiter mehr oder weniger fleissig meinen Kurs (Internationale Kooperation) weiter und will auch bald das Fotoprojekt ganz abschliessen. Mittlerweile haben wir alle kameras bis auf zwei wieder zurueck und es fehlen noch etwa 6 Interviews. Aber wirklich sehr spannend, was da so rausgekommen ist und was man fuer unterschiedliche Menschen trifft. Ich freu mich richtig auf die Ausstellungen und hoffe, dass das ein Erfolg wird. Christine wird sich ab jetzt um den deutschen Teil kuemmern und ich bin sehr gespannt, was da rauskommt.
Letztes Wochenende haben wir mal wieder einen kleinen Ausflug unternommen. Marco, mit dem wir schon mal im Dschungel waren, hat uns in das Haus (Schloss oder 5 Sterne Hotel wuerde es wohl eher treffen) seines Bruders eingeladen. War sehr nett gelegen, durch den Regen haben wir aber leider von der Umgebung nicht allzu viel mitbekommen. Dafuer wurden wir wunderbar aufgenommen, haben den ganzen Abend Cuarenta gespielt, DAS ecuadorianische National-Kartenspiel und hatten viel Spass. Zum Abschied gab's eine Riesen-Tuete mit selbst angebautem Obst und Gemuese (ich hab noch nie solche grossen Avocados gesehen, die waren gut 3 mal so gross wie normal), so dass man sich fast ein bisschen vorkam wie nach einem Wochenende bei Mutti oder Oma :-)

Mal wieder unterwegs

  • Oct. 30th, 2007 at 4:37 AM
Das ist ja das Schöne an Ecuador. Auch wenn ich mich mittlerweile in Quito wohl oder übel an dicke Klamotten und die nachmittäglichen Regengüsse und Gewitter gewöhnen musste, kann man einfach innerhalb von ein paar Stunden im Bus wieder in tropischer Wärme sein. Christine und ich sind am Donnerstag für ein paar Tage in den Dschungel gefahren, und zwar nach Misahualli. (Zugegeben, so ganz die unverfälschte Version war's noch nicht, aber mir als waschechtem Stadtkind hat's auch so gereicht.) Misahualli ist ein ziemlich kleines Dörfchen zwischen zwei Flüssen gelegen und jetzt in der Nebensaison sehr ruhig. Kaum waren wir in unser Zimmer eingecheckt, hatten wir auch schon Besuch. Und zwar kam einer der Affen, die sich auf dem Dorfplatz tummeln, hereinspaziert. Glücklicherweise konnte ich ihn gerade noch so verscheuchen, bevor er irgendwas klauen konnte. (Den Schlüssel hatte er schon anvisiert. Und keine Angst, Sabrina, ich hab mich von denen fern gehalten...) Den ersten Tag ließen wir denn auch ganz entspannt angehen, mit einer kleinen Wanderung zu einem Wasserfall, in dem wir schließlich, mit keiner Menschenseele weit und breit, auch gebadet haben. Am zweiten Tag sind wir mit einem französischen Pärchen (die evtl. Fotos per Mail lachliefern können) und zwei Tourguides und einem Wachhund (Dackel würde es wohl eher treffen...) aufgebrochen, um ein bisschen Dschungelluft zu schnuppern. Los ging's stilecht mit dem Kanu. Wir haben Goldwäschern bei der Arbeit zugesehen, eine Bananen- und Yuccaplantage gesehen und mit großen Reifen auf dem Fluss getrieben. (Dass es in diesem auch ein paar Piranhas gibt, haben wir nach viel gutem Zureden auch fast vergessen.) Abends kamen wir dann bei unseren Hütten an und haben entspannt vom Balkon aus dem Gewitter in der Ferne zugesehen. Nach einer kurzen Nacht ging's am nächsten Tag weiter mit einer Wanderung im Wald. Die Tiere, die nachts noch so unheimlich gewirkt hatten (Riesen-Spinnen und so) waren tagsüber schon nicht mehr so erschreckend. Bis zum Schluss hatte ich aber Angst, aus Versehen mit einer der Riesen-Ameisen Bekanntschaft zu machen, die ungelogen fast so lang wie mein Daumen waren. Letztendlich waren wir noch in einem indigenen Dorf, um uns die Brauweise der traditionellen Chicha erklären zu lassen. Das hat mal wieder Fragen nach dem Sinn und Unsinn von Tourismus aufgeworfen, denn die Zoo-Atmosphäre (beidseitig) war nicht schön. Aber bislang bin ich bei diesen Überlegungen noch zu keinem wirklichen Schluss gekommen, außer, dass Hospitality-Club wirklich eine gute Sache ist.
Ach ja, auf der Heimfahrt habe ich auch noch was sehr Nettes gesehen: Da fährt man mit dem Bus an einer "typischen" Stadt im Dschungel vorbei, so mit Holzhäusern und überall Palmen und so und auf einmal steht in einem Wohnzimmerfenster ein komplett geschmückter Weihnachtsbaum, mit allem Drum und Dran...
Jetzt zurück in Quito steht erst mal wieder das Fotoprojekt an. Christine ist ja mittlerweile auf Reisen, so dass ich die Sache hier beenden werde. Danach muss ich mal schauen, mit was ich mir die Zeit vertreibe. Irgendein flexibler Nebenjob wäre cool. Ansonsten will ich jetzt auch richtig Salsa lernen, oder vielleicht doch Capoeira? Morgen jedenfalls ziehe ich um, habe mit Paúl ein nettes kleines Häuschen gefunden, dass nur zwei Zimmer hat: Schlafzimmer und Wohnküche plus Bad, schicker Holzfußboden, Terasse, super Aussicht und wahnsinnig billig, was will man mehr.

Dies und das

  • Oct. 4th, 2007 at 5:40 PM
Ach ja, mit unserem Projekt, das ist schon 'ne ganz schoene Gefuehlsachterbahn. Nachdem ich vor zwei Tagen einfach nur noch gefrustet war und vor Enttaeuschung haette heulen koennen, geht's jetzt wieder ganz gut. Christine und ich haben ja ein eigenes Projekt gestartet, und zwar wollen wir Kinder und Jugendliche einen Tag aus ihrem Leben mit Hilfe von Einwegkameras fotografieren lassen. Das gleiche dann noch mal in Deutschland, Interviews, Portraitfotos und daraus zwei Ausstellungen, eine hier, eine da. Mittlerweile haben wir auch fast das gesamte Geld zusammen und haben schon drei Kameras ausgeteilt. Vorgestern waren wir an einem Ort, die mit Strassenkindern und -Jgendlichen arbeiten und haben dort zwei Kameras ausgegeben. Die Jungs waren echt herzallerliebst, was teilweise echt sehr komisch war, wenn man die Hintergruende kennt. Da ist zum Beispiel der 14-Jaehrige, der dich mit grossen Hundeaugen anschaut und dann erzaehlt einem jemand, dass der grad ein Verfahren wegen Vergewaltigung am laufen hat. Aber ich ueberlege jetzt ernsthaft, dort nach meinem Praktikum ein, zwei Tage pro Woche zu arbeiten. Aber mal sehen. Ich will ja auch noch 'nen "richtigen" Job suchen und heute haben wir mit einem Onlinekurs zum Thema "Internationale Kooperation" angefangen. Echt total gut, das Thema ist natuerlich sehr spannend und heute war der erste Tag, an dem man auch persoenlich anwesend sein musste. Echt krass, alles umsonst und die schmeissen mit Materialien nur so um sich. Datendisc, Notizblock, sogar Kuli und Blaetter zum schreiben gab's. Ueber zu wenig zu tun kann ich mich jetzt also nicht mehr beschweren, aber das ist auch gut so.

P.S.: Fotos gibt's ab jetzt keine mehr, mittlerweile sind von allen Leuten aus dem Umkreis die Kameras unter mehr oder weniger mysterioesen Umstaenden verschwunden...

Nebenbei bemerkt...

  • Sep. 29th, 2007 at 7:24 PM
Da fällt einem nix zu ein...



Mal wieder ein Ausflug

  • Sep. 26th, 2007 at 4:32 PM
Am Wochenende waren Christine und ich mal wieder ein bisschen unterwegs, und zwar in Mindo. Wirklich ein nettes Städtchen und endlich mal wieder richtig warm. Gute 1500 Meter Höhenunterschied machen sich doch bemerkbar, so dass wir einfach glücklich im T-Shirt durch die Sonne spaziert sind. Außerdem ist die Landschaft einfach Wahnsinn. Der einzige Wermutstropfen war, dass ich mir am ersten Abend den Magen verdorben habe, so dass ich am zweiten Tag nicht mehr so wirklich fit war. (Schön, wie trocken Christine das beschrieben hat... Ein Israeli aus dem Hostel fragte sie, warum wir nicht schon zeitiger am Morgen zu den Wasserfällen gegangen sind. Christine: "Kristin hat gekotzt." Er: "Und du?" Christine: "Ich hab auf sie gewartet.") Aber naja, nach zwei Monaten kann sowas schon mal passieren. Jedenfalls, die Wasserfaelle waren auch ganz nett, haben aber den Eintrittspreis nicht gerechtfertigt. Zumal wir wirklich zu spaet dort waren, die Sonne war schon weg (ab mittags zieht es dort jeden Tag zu und faengt an zu regnen)und deswegen wars mit Baden nicht mehr so doll. Aber insgesamt wirklich schoen und erholend. Das Hostel an sich waere schon die Reise wert gewesen. Ganz aus Holz, direkt am Bach gelegen und auf ner tollen Wiese, jeder ein eigenes Zimmer... Und was fuer Zimmer! Christine hatte ein Bett auf dem Balkon mit Blick auf Baeume, Wiese und Kolibris; ich direkt unterm Dach mit Blick nach draussen, wo mich nachts Fledermaeuse und morgens ein Vogel besucht haben. Und das erste Mal unterm Mueckennetz geschlafen, war auch bitter noetig. So war das.

Und hier mal wieder ein paar Bilder zum Fernwehkriegen, Copyright ab jetzt immer bei Christine :-(





Ein weiteres Bild in der Kuhgalerie...


Das Hostel





Mit der Wackelseilbahn ueber den Urwaldabgrund...



Ansonsten sind hier in Ecuador am Sonntag Wahlen. Es werden ca. 130 Abgeordnete gewaehlt, die eine neue Verfassung erarbeiten sollen. Ueber 3000 Kandidaten gibt es im ganzen Land, die sich auf was weiss ich wie viele Listen verteilen (155 ist die hoechste Listennummer, die ich beim Wahlkampf gesehen habe) Man waehlt also direkt eine Liste, oder einzeln Leute aus verschiedenen Listen. Der Wahlkampf hier war auch spannend zu beobachten, die ganze Stadt zugepflastert mit Plakaten, staendig fahnenwedelnde Menschen an Kreuzungen, die linke Liste hat Pantomimen losgeschickt... Und nicht zu vergessen die Autos, die mit Megaphonen durch die Viertel fuhren, um die jeweiligen Slogans zu verkuenden. Jetzt ist Ruhe, seit Donnerstag duerfen nur noch Plakate haengen, seit heute darf kein Alkohol ausgeschenkt und keine Versammlungen abgehalten werden. Jedenfalls besteht Wahlpflicht in Ecuador, wer nicht waehlen war, muss Strafe zahlen und darf bis zur Zahlung nicht reisen, Wohnung mieten etc. Und sollte (was unwahrscheinlich ist) die Liste des Praesidenten nicht gewinnen, wird er wohl zuruecktreten und dann wirds spannend. Mal sehen, wie das am Sonntag wird.

Dies und das

  • Sep. 9th, 2007 at 10:04 PM
Lange nichts geschrieben... Ist auch nicht viel passiert und doch wieder eine ganze Menge. Ich hab mich dazu entschlossen, doch noch eine Weile länger hierzubleiben. Drei Monate sind einfach zu kurz, um Land und Leute (!) kennenzulernen. Daher steht in den nächsten Tagen also erst mal eine ganze Menge Orgakram an, aber wat solls.
Unser Projekt ist mittlerweile nur noch frustrierend, da geht gar nichts voran. Und alle verlieren nach und nach die Lust, überhaupt noch daran weiterzuarbeiten. Und wenn man schon mal was alleine organisiert, dann kriegt man auch keine Unterstützung. Christine und ich haben für Donnerstag einen Conversatorio (Diskussionsrunde? Jugendbegegnung? sowas dazwischen) organisiert und uns wurde angeboten, Flyer drucken zu lassen. Also schickes Design und ab in die Druckerei. Davon abgesehen, dass wir dem Verantwortlichen eine Woche lang hinterher telefoniert haben, so dass kaum noch Zeit bleibt, die Teile zu verteilen, sind sie auch noch schwarz-weiß statt bunt geworden, was bei rot-gelb-blau echt ein bisschen (...) doof aussieht. Ganz davon abgesehen, dass nicht wie vorgesehen 500x4 Flyer ankamen, sondern 500 Flyer in A4. Vielleicht sollte ich wirklich meditieren lernen...
Das Wochenende war dafür echt nett. Los ging's mit dem Stadtteilfest hier in Guápulo. An sich wie jedes Dorffest, mit schrecklicher Blasmusik dazu, aber erfreulicherweise gibt es ja weiter oben auch noch die lustigen Hippies mit den dazugehörigen Bars, wo es sehr viel netter war. Trotzdem war ich froh, dem Lärm und der Stadt zu entfliehen und war dann ab Samstag mit Paúl in Baños, einem kleinen Touristenort, der aber wunderschön ist. Von unserem Zimmer aus konnte man direkt auf den Wald und einen Wasserfall sehen und die Leute im Ort waren superfreundlich. Nur Paúl war ein bisschen demotiviert, weil man ihn mit mir zusammen ständig für einen Gringo hielt und entweder gaaanz langsam und betont oder gleich englisch mit ihm gesprochen hat :-) Wir haben das ganze Wochenende geschlemmt (Zuckerrohrsaft, Kochbanane mit Käse...), waren im Nieselregen wandern und haben in Schwefelthermalquellen gebadet. Leider gibt es auch die ersten Kollateralschäden zu beklagen. Mir wurden nämlich zielsicher meine Kamera, meine Sonnebrille und das Taschenmesser aus dem Rucksack geklaut, obwohl ich ihn die ganze Zeit im Blick hatte. Dachte ich zumindest...

Abenteuer für Großstadtkinder

  • Aug. 24th, 2007 at 11:52 AM
Da wir am Sonntag fleißig vorgearbeitet hatten, haben wir am touristenarmen Dienstag mal einen Ausflug zur "Mitte der Welt" gemacht. Naja, eigentlich sind wir nur dran vorbeigegangen, weil uns 2 Dollar Eintritt für ein blödes Denkmal, was nicht mal wirklich am Äquator steht und wahrscheinlich eine von 639 Mitten der Welt ist, dann doch zu viel waren. Ein anderer Programmpunkt war der Pululahua (oder wie auch immer das geschrieben wird), ein Vulkan, in dessen ehemaligen Kratersee Menschen wohnen und Landwirtschaft betrieben wird. Aber auch das haben wir uns nur von oben angeschaut, weil dort mittlerweile auch Eintritt erhoben wird, und zwar für Nicht-Lateinamerikaner saftig. Das definitive Highlight des Tages war dann aber der Stadtpark, der eigentlich ein riesgier Eukalyptuswald ist. Da wir relativ spät dort waren (was uns später zum Verhängnis werden solle...) waren wir auch fast die einzigen und konnten frei galoppierende Pferde und schmatzende Kühe beobachten. Nachdem wir die tollen Aussichten bewundert hatten (der Park liegt auf 'nem Hügel und man kann die ganzen Nachbartäler sehen), uns auf dem Spielplatz ausgetobt und vergeblich den Waserfall gesucht hatten, war es wegen nahender Dunkelheit langsam Zeit, sich auf den Heimweg zu machen. Eigentlich ja auch gar kein Problem, denn Alba und Paúl, mit denen wir unterwegs waren, sind als kleine Kinder schon immer in dem Park rumgesprungen und müssten sich eigentlich gut auskennen. Müssten... Naja, wir haben den richtigen Weg jedenfalls nicht gefunden, statt dessen aber nach einer Weile einen relativ breiten Weg, der in Richtung Lichter der Stadt verlief. Und wo ein Weg ist, ist auch ein Ausgang, dachten wir. Es gab tatsächlich auch einen, der bestand aus einer etwa 4 Meter hohen Mauer und einer - abgeschlossenen - Tür. Also wieder umkehren und einen neuen Weg suchen. Da uns das nicht so richtig gelingen wollte, sind wir wieder zurück, damit Paúl klettert und Nachbarn nach einer Leiter um Hilfe fragen kann. Dazu kam es dann glücklicherweise doch nicht, denn wir konnten uns an der Mauer bemerkbar machen und einer der allgegenwärtigen Sicherheitsmänner zeigte uns eine Stelle, die nicht ganz so hoch war. Letztendlich war das Ganze ziemlich lustig, 1,5 Stunden im Dunkeln durch den Wald zu irren (immer darauf hoffend, dass keine Wolken aufziehen und man nicht mal mehr Mondlicht hat) und sich mit Geschichten à la Blairwitch Project zu unterhalten...
Jaja, Theorie und Praxis... Da kann man noch so viel über interkulturelle Kommunikation usw. gehört haben und trotzdem wird man ständig fast wahnsinnig. Man sitzt also drei Stunden in einer Besprechung und es wird viel geredet, für unsere Verhältnisse aber ohne Ergebnis. (Man bemerke den Stimmungswechsel im Vergleich zum letzten Eintrag...) Und trotzdem sind am Ende alle zufrieden und beglückwunschen sich, was sie heute wieder geschafft haben. Oder man geht zu einem Workshop, der von 10 bis 16 Uhr laufen sollte und die Veranstalterin kommt kurz nach elf, so dass es nach zwölf dann losgehen kann. Aber auch daran stört sich kaum einer, das war dann eben eine "gute Lektion, dass wir ein bisschen organisierter sein müssen" und der Workshop wird in zwei Wochen wiederholt. Mittlerweile kann ich über das ganze Chaos aber echt lachen. Und wenn mal wieder drei Leute zusammen zwei Stunden brauchen, um drei Emails zu verschicken, dann beobachte ich vom Sofa aus und lästere mit Paúl, den solche Sachen auch nerven. (Kommentar: "Ich versteh diese Leute nicht." -"Ich auch nicht. Und dabei spreche ich ihre Sprache...") Dass der Film bis zu meinem Abflug fertig werden wird, habe ich mir mittlerweile auch abgeschminkt.
Schnitt. Gestern hatten wir mal wieder den perfekten Samstag. Zuerst waren wir (mittlerweile zu dritt, denn eine neue ASAtin ist angekommen und gleich bei uns eingezogen) mit Christines Sprachlehrerin auf dem Markt und haben wieder mal alle möglichen Früchte kennengelernt. (Rosa Bananen und Tamarinden waren die Highlights)


Und jede Markthalle hat ihre eigenen Marienaltäre

Später sind wir in die Stadt gefahren, wo ein paar Leute von unserem Projekt an den Wochenenden ein Riesen-Spielprogramm für Kinder aufgefahren haben. In der ganzen Straße werden traditionelle ecuadorianische Spiele (darunter auch Gummitwist und Hula Hoop...) gespielt, jonglierende Clowns hüpfen zwischendrin (ich kenne jemanden, der ganz bestimmt einen Harlekin entdeckt hätte... ;-) und wir sind den ganzen Nachmittag mit einem breiten Grinsen durch die Gegend gelaufen und hatten viel Spaß beim Seilspringen und Ball spielen. Das ist glatt 'ne Sache, die ich gerne nach Deutschland importieren würde.


Paúl, Christine und die Kinder




Sehr umsichtig, im FastFood Chicken Tempel muss man sich die Finger nicht schmutzig machen...

P.S.: Unsere HipHop Jungs, links unten Júan und Carlos, mit denen wir am meisten zu tun haben

Der Regenwald...

  • Aug. 14th, 2007 at 5:05 PM
... hat seinem Namen alle Ehre gemacht. Hier ist es nämlich so: Man fährt drei Stunden mit dem Bus, und plötzlich ist "Winter" statt "Sommer"... Die neuen Vokabeln des Wochenendes waren: Farn, Moos, Bach, Pfütze, Schlamm und Wurm... Naja, wir waren gewappnet mit Gummistiefeln und Regenmänteln und hatten viel Spaß dabei, durch Pfützen und Schlamm zu waten. Ein bisschen Abenteuerurlaub fuer Großstadtkinder. Und dieser Adrenalinstoß, wenn das eiskalte Wasser des Baches, durch den man gerade läuft, einen Zentimeter vor der Oberkante der Gummistiefel ist und dann ... doch reinläuft.
Aber vielleicht mal chronologisch: Am Freitag war hier in Ecuador Unabhängigkeitstag, also frei. Wir sind also ganz früh aufgestanden und erst mal nach Papallacta gefahren. Dort gibt es überall heiße Quellen und so lagen wir gegen halb zehn im warmen Wasser und hatten die beste Aussicht der Welt. So auf dreieinhalb Tausend Metern mit Bergen ringsum und 10 Grad Außentemperatur. Danach sind wir nach Baeza gefahren und haben uns ein Aufforstungsprojekt angeschaut. Schließlich kamen wir auf dem Grundstück von Marco, dem Chef der Organisation, bei der wir arbeiten, an. Wunderschön!!! Ein bisschen komisch ist es allerdings immer noch, dass es dort wie an vielen Orten eine Angestellte gab, die gekocht und geputzt hat. Daran kann ich mich wohl nicht gewöhnen. Aber so war es ein bisschen wie Luxusurlaub auf ganz einfache Art. Das Haus war ganz aus Holz, an allen möglichen Stellen tropfte es durch's Dach und die Duschen und Toiletten waren quasi im Freien. (Die Wahl Wasser im Topf heißzumachen oder kalt zu duschen fiel bei knapp 10 Grad nicht schwer...)
Von da aus haben wir ein paar kleinere Wanderungen in den Wald gemacht, angebliche Pumaspuren gesehen (und auch mal was knurren gehört, was tagsüber noch lustig, bei der Nachtwanderung aber schon ein bisschen unheimlich war...) und den Bären tapsen hören. Ansonsten gab es Pflanzen aller Art und ein paar Schmetterlinge. Insgesamt war das wohl eher die Light-Dschungel Version für Einsteiger, nämlich noch relativ gut zu erreichen (über Holperstraßen und nicht im Kanu) und ohne großartiges gräsliches Viehzeug, geschweige denn Malariamücken. Aber die nächsten Trips sind geplant...


Im Amazonasgebiet ist alles etwas größer...





Irgendwann erwischt einen auch der letzte Modetrend...


Kristin + Christine


Ohne Worte







Was unser Projekt angeht, habe ich jetzt endlich mal das Gefühl, dass es richtig vorangeht. Unsere Gruppe fügt sich immer mehr zusammen und es macht Spaß, sich immer mit den anderen zu treffen. Wir haben jetzt ein paar Workshops geplant (am Freitag z.B. über elektronische Musik) und uns ein paar Videos angeschaut, die die Hip Hop Jungs schon gemacht haben. Morgen treffen wir uns mit der Regisseurin. Ansonsten werden wir jetzt wohl auch noch in andere Sachen der anderen Projektpartner eingebunden. Ich soll zum Beispiel beim Erstellen einer Zeitung helfen. Außerdem werden wir uns in den nächsten Tagen auch darum kümmern, ein Folgeprojekt zu planen, bei dem auch zwei Leute von hier nach Deutschland kommen können. Dafür müssen wir eine passende Organisation in Deutschland finden und uns auch schon ein bisschen um eine mögliche Finanzierung kümmern. Aber fänd's super, ein paar der Leute nächstes Jahr in Deutschland wiederzusehen, auch, damit das alles eine etwas gerechtere Sache ist und nicht immer nur die Menschen aus dem Norden profitieren.

P.S.1: Mal wieder "unsere" Kuh...



P.S.2: So geht Buseinstieg:

Zur Auflockerung

  • Aug. 9th, 2007 at 5:18 PM
Bevor ich naechste Woche wieder richtig was zu erzaehlen hab, hier zur Erheiterung der Hispanophilen ein Raetsel, dass mir der Neffe unserer Putzfrau beigebracht hat: Que es algo y nada a la vez? Vorschlaege koennen unten gepostet werden. (Aber vielleicht bin ich ja auch die Einzige, die das noch nicht kannte!? Mal sehen...)

Rich-Text und HTML, das war's!

  • Aug. 3rd, 2007 at 2:10 PM
So, endlich sind hier auch Fotos zu sehen. Weil ich nicht das Kabel meiner Kamera, sondern meines MP3 Players mitgenommen habe, kann ich von Glück reden, dass hier ein Laptop rumsteht, wo ich die Speicherkarte direkt reinschieben kann...


Der morgendliche Blick aus dem Fenster


... zur anderen Seite


Nachbars Kuh


Der nächste Vulkan (Franzi: rate mal, mit welchem Modus aufgenommen...)


Ein bisschen Stadt




Beim Konzert

Die ersten Tage

  • Aug. 1st, 2007 at 3:00 PM
Hach ja, ist das schön hier! Wir haben mittlerweile ein Dach mit Blick aufs Tal und sich während des Tages schön aufwärmenden Fliesen als Lieblingsplatz erkoren. Da kann man stundenlang sitzen und das Treiben auf der Straße beobachten. (Jaja, ich werd noch mal so 'ne Oma, die den ganzen Tag am Fenster hockt und perfekt über das Leben der Nachbarn Bescheid weiß...)
Unser erster "Arbeits"tag am Montag war auch wieder schnell um. Wir hatten eine Besprechung mit den Leuten, die mit dem Film zu tun haben werden. Das mit dem Film ist schon 'ne spannende Sache. Er wird im Süden Quitos gedreht werden, wo eher die weniger Reichen zuhaus sind und wo bis jetzt kulturell nicht so viel passiert. Es wird wohl hauptsächlich um das Leben von Carlos gehen, der eine ziemlich krasse Jugend hatte (mit zwölf weg von zu Hause, Drogen, Bandenchef etc.) und jetzt vor allem Hip Hop macht und es sich zum Ziel gesetzt hat, Jugendlichen aus dem Viertel einen anderen Weg zu zeigen. Das ganze ist unser Hauptprojekt, was wir aber genau machen sollen... Auf jeden Fall werden wir am Ende einen 15 Minüter in der Hand halten und mit nach Hause nehmen können. (Da grüßt die Aktion Globales Lernen...) Nach zwei Stunden war die Besprechung jedenfalls vorbei und die Sache wurde mit einem gemeinsamen Mittagessen beschlossen. Dort wurden Christine und mir erst mal zwei Rosensträuße als Willkommensgruß von den Hip Hop Jungs in die Hände gedrückt. Hihi...
Ansonsten gefällt mir die Stadt mehr und mehr. Ständig gibt es kostenlos auf den Plätzen und in Parks Konzerte oder Theatervorstellungen. Letzten Sonntag waren wir auf einem Skakonzert (13.00 geht hier sowas los..., beziehungsweise das erste Konzert schon halb elf, was wir aufgrund unserer gerade sehr ausgeprägten Schlafphase nicht geschafft haben...)War ganz lustig, weil vom Teenager bis zum 60-jährigen Pärchen alles vertreten war. Und die Leute saßen, entgegen landläufigen Vorurteilen, alle brav auf ihren Stühlen und sind nicht durch die Gegend getanzt.
Und wir versuchen immer noch, das Bussystem zu durchsteigen. Fahrpläne und Haltestellen gibt es nämlich, außer bei drei Linien, nicht. Man muss schon wissen, wo man hinwill. Einsteigen kann man überall, einfach Hand raus und ranwinken. Beim Aussteigen drückt man dem Schaffner noch schnell 25 Centavos in die Hand und springt raus, bevor der Bus weiterdüst.

Ankunft in Quito

  • Jul. 28th, 2007 at 3:27 PM

So, seit zwei Tagen bin ich nun also in Quito und glaube, dass man es hier sehr gut drei Monate aushalten kann. Am Flughafen wurden wir gleich mal sehr nett empfangen und in unser neues Zuhasue gefahren. Schoener haette ich mir das gar nicht ausmalen koennen: Wir wohnen in einem ehemaligen Hostel zusammen mit einer Englaenderin, einem US-amerikaner, zwei Ecuadorianerinnen (die wir aber allesamt noch nicht zu Gesicht bekommen haben) und Alfonso, mit dem wir ab Montag arbeiten und dessen deutscher Freundin Tina, die sich ruehrend um uns kuemmern. Das Haus hier ist echt der Wahnsinn und sobald ich einen Adapter habe, um die Kamera anzuschliessen wirds auch Bilder geben. Wir wohnen in einem ziemlich doerflichen Stadtteil, aber trotzdem sehr nah an der Stadt und haben den tollsten Ausblick der Welt auf die Berge gegenueber. Einen kleinen Garten gibts auch, den man sich hoechstens mit der Kuh vom Nachbarn teilen muss... Und auf der anderen Straßenseite ist die Villa des spanischen Botschafters. Gibt also gut ein paar Gegensätze hier.
Ansonsten hab ich die Anreise gut ueberstanden, Jet Lag macht sich keins bemerkbar, ein bisschen merken wir die Hoehe, so dass manchmal ein halbes Stockwerk Treppen steigen einer sportlichen Uebung aehnelt. Aber geht alles schon wieder ganz gut. Das einzige, was ich wirklich bemaengeln kann, ist die Kaelte! Mannomann, nachts gehts nicht ohne drei Decken und jetzt sitze ich auch schon wieder mit ner Fleece Decke da. In der Sonne ists ja ganz schoen, aber ansonsten... Mal sehen, ob sich noch ein sommerliches Gefuehl einstellt.
Was die Arbeit angeht, bin ich sehr gespannt. Am Montag gehts los und wir werden wohl irgendwie mit Jugendlichen arbeiten und am Ende soll ein Film rauskommen... Mal sehn, mal sehn. Auf jeden Fall scheinen die Leute sehr nett, der Chef hat schon ein paar Ausfluege geplant und generell habe ich den Eindruck, dass die sich sehr um uns kuemmern werden.
So, ich werd mal gucken, wie wir die zwei Stunden bis zum Dunkel werden noch nutzen...