Letztes Wochenende haben wir mal wieder einen kleinen Ausflug unternommen. Marco, mit dem wir schon mal im Dschungel waren, hat uns in das Haus (Schloss oder 5 Sterne Hotel wuerde es wohl eher treffen) seines Bruders eingeladen. War sehr nett gelegen, durch den Regen haben wir aber leider von der Umgebung nicht allzu viel mitbekommen. Dafuer wurden wir wunderbar aufgenommen, haben den ganzen Abend Cuarenta gespielt, DAS ecuadorianische National-Kartenspiel und hatten viel Spass. Zum Abschied gab's eine Riesen-Tuete mit selbst angebautem Obst und Gemuese (ich hab noch nie solche grossen Avocados gesehen, die waren gut 3 mal so gross wie normal), so dass man sich fast ein bisschen vorkam wie nach einem Wochenende bei Mutti oder Oma :-)
Ach ja, auf der Heimfahrt habe ich auch noch was sehr Nettes gesehen: Da fährt man mit dem Bus an einer "typischen" Stadt im Dschungel vorbei, so mit Holzhäusern und überall Palmen und so und auf einmal steht in einem Wohnzimmerfenster ein komplett geschmückter Weihnachtsbaum, mit allem Drum und Dran...
Jetzt zurück in Quito steht erst mal wieder das Fotoprojekt an. Christine ist ja mittlerweile auf Reisen, so dass ich die Sache hier beenden werde. Danach muss ich mal schauen, mit was ich mir die Zeit vertreibe. Irgendein flexibler Nebenjob wäre cool. Ansonsten will ich jetzt auch richtig Salsa lernen, oder vielleicht doch Capoeira? Morgen jedenfalls ziehe ich um, habe mit Paúl ein nettes kleines Häuschen gefunden, dass nur zwei Zimmer hat: Schlafzimmer und Wohnküche plus Bad, schicker Holzfußboden, Terasse, super Aussicht und wahnsinnig billig, was will man mehr.
P.S.: Fotos gibt's ab jetzt keine mehr, mittlerweile sind von allen Leuten aus dem Umkreis die Kameras unter mehr oder weniger mysterioesen Umstaenden verschwunden...
Und hier mal wieder ein paar Bilder zum Fernwehkriegen, Copyright ab jetzt immer bei Christine :-(
Ein weiteres Bild in der Kuhgalerie...
Das Hostel
Mit der Wackelseilbahn ueber den Urwaldabgrund...
Ansonsten sind hier in Ecuador am Sonntag Wahlen. Es werden ca. 130 Abgeordnete gewaehlt, die eine neue Verfassung erarbeiten sollen. Ueber 3000 Kandidaten gibt es im ganzen Land, die sich auf was weiss ich wie viele Listen verteilen (155 ist die hoechste Listennummer, die ich beim Wahlkampf gesehen habe) Man waehlt also direkt eine Liste, oder einzeln Leute aus verschiedenen Listen. Der Wahlkampf hier war auch spannend zu beobachten, die ganze Stadt zugepflastert mit Plakaten, staendig fahnenwedelnde Menschen an Kreuzungen, die linke Liste hat Pantomimen losgeschickt... Und nicht zu vergessen die Autos, die mit Megaphonen durch die Viertel fuhren, um die jeweiligen Slogans zu verkuenden. Jetzt ist Ruhe, seit Donnerstag duerfen nur noch Plakate haengen, seit heute darf kein Alkohol ausgeschenkt und keine Versammlungen abgehalten werden. Jedenfalls besteht Wahlpflicht in Ecuador, wer nicht waehlen war, muss Strafe zahlen und darf bis zur Zahlung nicht reisen, Wohnung mieten etc. Und sollte (was unwahrscheinlich ist) die Liste des Praesidenten nicht gewinnen, wird er wohl zuruecktreten und dann wirds spannend. Mal sehen, wie das am Sonntag wird.
Unser Projekt ist mittlerweile nur noch frustrierend, da geht gar nichts voran. Und alle verlieren nach und nach die Lust, überhaupt noch daran weiterzuarbeiten. Und wenn man schon mal was alleine organisiert, dann kriegt man auch keine Unterstützung. Christine und ich haben für Donnerstag einen Conversatorio (Diskussionsrunde? Jugendbegegnung? sowas dazwischen) organisiert und uns wurde angeboten, Flyer drucken zu lassen. Also schickes Design und ab in die Druckerei. Davon abgesehen, dass wir dem Verantwortlichen eine Woche lang hinterher telefoniert haben, so dass kaum noch Zeit bleibt, die Teile zu verteilen, sind sie auch noch schwarz-weiß statt bunt geworden, was bei rot-gelb-blau echt ein bisschen (...) doof aussieht. Ganz davon abgesehen, dass nicht wie vorgesehen 500x4 Flyer ankamen, sondern 500 Flyer in A4. Vielleicht sollte ich wirklich meditieren lernen...
Das Wochenende war dafür echt nett. Los ging's mit dem Stadtteilfest hier in Guápulo. An sich wie jedes Dorffest, mit schrecklicher Blasmusik dazu, aber erfreulicherweise gibt es ja weiter oben auch noch die lustigen Hippies mit den dazugehörigen Bars, wo es sehr viel netter war. Trotzdem war ich froh, dem Lärm und der Stadt zu entfliehen und war dann ab Samstag mit Paúl in Baños, einem kleinen Touristenort, der aber wunderschön ist. Von unserem Zimmer aus konnte man direkt auf den Wald und einen Wasserfall sehen und die Leute im Ort waren superfreundlich. Nur Paúl war ein bisschen demotiviert, weil man ihn mit mir zusammen ständig für einen Gringo hielt und entweder gaaanz langsam und betont oder gleich englisch mit ihm gesprochen hat :-) Wir haben das ganze Wochenende geschlemmt (Zuckerrohrsaft, Kochbanane mit Käse...), waren im Nieselregen wandern und haben in Schwefelthermalquellen gebadet. Leider gibt es auch die ersten Kollateralschäden zu beklagen. Mir wurden nämlich zielsicher meine Kamera, meine Sonnebrille und das Taschenmesser aus dem Rucksack geklaut, obwohl ich ihn die ganze Zeit im Blick hatte. Dachte ich zumindest...
Schnitt. Gestern hatten wir mal wieder den perfekten Samstag. Zuerst waren wir (mittlerweile zu dritt, denn eine neue ASAtin ist angekommen und gleich bei uns eingezogen) mit Christines Sprachlehrerin auf dem Markt und haben wieder mal alle möglichen Früchte kennengelernt. (Rosa Bananen und Tamarinden waren die Highlights)
Und jede Markthalle hat ihre eigenen Marienaltäre
Später sind wir in die Stadt gefahren, wo ein paar Leute von unserem Projekt an den Wochenenden ein Riesen-Spielprogramm für Kinder aufgefahren haben. In der ganzen Straße werden traditionelle ecuadorianische Spiele (darunter auch Gummitwist und Hula Hoop...) gespielt, jonglierende Clowns hüpfen zwischendrin (ich kenne jemanden, der ganz bestimmt einen Harlekin entdeckt hätte... ;-) und wir sind den ganzen Nachmittag mit einem breiten Grinsen durch die Gegend gelaufen und hatten viel Spaß beim Seilspringen und Ball spielen. Das ist glatt 'ne Sache, die ich gerne nach Deutschland importieren würde.
Paúl, Christine und die Kinder
Sehr umsichtig, im FastFood Chicken Tempel muss man sich die Finger nicht schmutzig machen...
P.S.: Unsere HipHop Jungs, links unten Júan und Carlos, mit denen wir am meisten zu tun haben
Aber vielleicht mal chronologisch: Am Freitag war hier in Ecuador Unabhängigkeitstag, also frei. Wir sind also ganz früh aufgestanden und erst mal nach Papallacta gefahren. Dort gibt es überall heiße Quellen und so lagen wir gegen halb zehn im warmen Wasser und hatten die beste Aussicht der Welt. So auf dreieinhalb Tausend Metern mit Bergen ringsum und 10 Grad Außentemperatur. Danach sind wir nach Baeza gefahren und haben uns ein Aufforstungsprojekt angeschaut. Schließlich kamen wir auf dem Grundstück von Marco, dem Chef der Organisation, bei der wir arbeiten, an. Wunderschön!!! Ein bisschen komisch ist es allerdings immer noch, dass es dort wie an vielen Orten eine Angestellte gab, die gekocht und geputzt hat. Daran kann ich mich wohl nicht gewöhnen. Aber so war es ein bisschen wie Luxusurlaub auf ganz einfache Art. Das Haus war ganz aus Holz, an allen möglichen Stellen tropfte es durch's Dach und die Duschen und Toiletten waren quasi im Freien. (Die Wahl Wasser im Topf heißzumachen oder kalt zu duschen fiel bei knapp 10 Grad nicht schwer...)
Von da aus haben wir ein paar kleinere Wanderungen in den Wald gemacht, angebliche Pumaspuren gesehen (und auch mal was knurren gehört, was tagsüber noch lustig, bei der Nachtwanderung aber schon ein bisschen unheimlich war...) und den Bären tapsen hören. Ansonsten gab es Pflanzen aller Art und ein paar Schmetterlinge. Insgesamt war das wohl eher die Light-Dschungel Version für Einsteiger, nämlich noch relativ gut zu erreichen (über Holperstraßen und nicht im Kanu) und ohne großartiges gräsliches Viehzeug, geschweige denn Malariamücken. Aber die nächsten Trips sind geplant...
Im Amazonasgebiet ist alles etwas größer...
Irgendwann erwischt einen auch der letzte Modetrend...
Kristin + Christine
Ohne Worte
Was unser Projekt angeht, habe ich jetzt endlich mal das Gefühl, dass es richtig vorangeht. Unsere Gruppe fügt sich immer mehr zusammen und es macht Spaß, sich immer mit den anderen zu treffen. Wir haben jetzt ein paar Workshops geplant (am Freitag z.B. über elektronische Musik) und uns ein paar Videos angeschaut, die die Hip Hop Jungs schon gemacht haben. Morgen treffen wir uns mit der Regisseurin. Ansonsten werden wir jetzt wohl auch noch in andere Sachen der anderen Projektpartner eingebunden. Ich soll zum Beispiel beim Erstellen einer Zeitung helfen. Außerdem werden wir uns in den nächsten Tagen auch darum kümmern, ein Folgeprojekt zu planen, bei dem auch zwei Leute von hier nach Deutschland kommen können. Dafür müssen wir eine passende Organisation in Deutschland finden und uns auch schon ein bisschen um eine mögliche Finanzierung kümmern. Aber fänd's super, ein paar der Leute nächstes Jahr in Deutschland wiederzusehen, auch, damit das alles eine etwas gerechtere Sache ist und nicht immer nur die Menschen aus dem Norden profitieren.
P.S.1: Mal wieder "unsere" Kuh...
P.S.2: So geht Buseinstieg:
Der morgendliche Blick aus dem Fenster
... zur anderen Seite
Nachbars Kuh
Der nächste Vulkan (Franzi: rate mal, mit welchem Modus aufgenommen...)
Ein bisschen Stadt
Beim Konzert
Unser erster "Arbeits"tag am Montag war auch wieder schnell um. Wir hatten eine Besprechung mit den Leuten, die mit dem Film zu tun haben werden. Das mit dem Film ist schon 'ne spannende Sache. Er wird im Süden Quitos gedreht werden, wo eher die weniger Reichen zuhaus sind und wo bis jetzt kulturell nicht so viel passiert. Es wird wohl hauptsächlich um das Leben von Carlos gehen, der eine ziemlich krasse Jugend hatte (mit zwölf weg von zu Hause, Drogen, Bandenchef etc.) und jetzt vor allem Hip Hop macht und es sich zum Ziel gesetzt hat, Jugendlichen aus dem Viertel einen anderen Weg zu zeigen. Das ganze ist unser Hauptprojekt, was wir aber genau machen sollen... Auf jeden Fall werden wir am Ende einen 15 Minüter in der Hand halten und mit nach Hause nehmen können. (Da grüßt die Aktion Globales Lernen...) Nach zwei Stunden war die Besprechung jedenfalls vorbei und die Sache wurde mit einem gemeinsamen Mittagessen beschlossen. Dort wurden Christine und mir erst mal zwei Rosensträuße als Willkommensgruß von den Hip Hop Jungs in die Hände gedrückt. Hihi...
Ansonsten gefällt mir die Stadt mehr und mehr. Ständig gibt es kostenlos auf den Plätzen und in Parks Konzerte oder Theatervorstellungen. Letzten Sonntag waren wir auf einem Skakonzert (13.00 geht hier sowas los..., beziehungsweise das erste Konzert schon halb elf, was wir aufgrund unserer gerade sehr ausgeprägten Schlafphase nicht geschafft haben...)War ganz lustig, weil vom Teenager bis zum 60-jährigen Pärchen alles vertreten war. Und die Leute saßen, entgegen landläufigen Vorurteilen, alle brav auf ihren Stühlen und sind nicht durch die Gegend getanzt.
Und wir versuchen immer noch, das Bussystem zu durchsteigen. Fahrpläne und Haltestellen gibt es nämlich, außer bei drei Linien, nicht. Man muss schon wissen, wo man hinwill. Einsteigen kann man überall, einfach Hand raus und ranwinken. Beim Aussteigen drückt man dem Schaffner noch schnell 25 Centavos in die Hand und springt raus, bevor der Bus weiterdüst.
So, seit zwei Tagen bin ich nun also in Quito und glaube, dass man es hier sehr gut drei Monate aushalten kann. Am Flughafen wurden wir gleich mal sehr nett empfangen und in unser neues Zuhasue gefahren. Schoener haette ich mir das gar nicht ausmalen koennen: Wir wohnen in einem ehemaligen Hostel zusammen mit einer Englaenderin, einem US-amerikaner, zwei Ecuadorianerinnen (die wir aber allesamt noch nicht zu Gesicht bekommen haben) und Alfonso, mit dem wir ab Montag arbeiten und dessen deutscher Freundin Tina, die sich ruehrend um uns kuemmern. Das Haus hier ist echt der Wahnsinn und sobald ich einen Adapter habe, um die Kamera anzuschliessen wirds auch Bilder geben. Wir wohnen in einem ziemlich doerflichen Stadtteil, aber trotzdem sehr nah an der Stadt und haben den tollsten Ausblick der Welt auf die Berge gegenueber. Einen kleinen Garten gibts auch, den man sich hoechstens mit der Kuh vom Nachbarn teilen muss... Und auf der anderen Straßenseite ist die Villa des spanischen Botschafters. Gibt also gut ein paar Gegensätze hier.
Ansonsten hab ich die Anreise gut ueberstanden, Jet Lag macht sich keins bemerkbar, ein bisschen merken wir die Hoehe, so dass manchmal ein halbes Stockwerk Treppen steigen einer sportlichen Uebung aehnelt. Aber geht alles schon wieder ganz gut. Das einzige, was ich wirklich bemaengeln kann, ist die Kaelte! Mannomann, nachts gehts nicht ohne drei Decken und jetzt sitze ich auch schon wieder mit ner Fleece Decke da. In der Sonne ists ja ganz schoen, aber ansonsten... Mal sehen, ob sich noch ein sommerliches Gefuehl einstellt.
Was die Arbeit angeht, bin ich sehr gespannt. Am Montag gehts los und wir werden wohl irgendwie mit Jugendlichen arbeiten und am Ende soll ein Film rauskommen... Mal sehn, mal sehn. Auf jeden Fall scheinen die Leute sehr nett, der Chef hat schon ein paar Ausfluege geplant und generell habe ich den Eindruck, dass die sich sehr um uns kuemmern werden.
So, ich werd mal gucken, wie wir die zwei Stunden bis zum Dunkel werden noch nutzen...
